- TL;DR
- Feuerwerk an Silvester fotografieren: Warum die Vorbereitung wichtiger ist als die Kamera
- Den besten Ort finden: Perspektive, Wind und Vordergrund
- Zubehör: Was wirklich sinnvoll ist
- Kamera-Modi: Was ist M-Modus, was ist S-Modus?
- ISO, Blende und Belichtungszeit kurz erklärt
- Gute Start-Einstellungen für Feuerwerk mit der Kamera
- Fokus: Warum manuell fast immer besser ist
- Warum du die Stabilisierung auf einem Stativ oft ausschalten solltest
- RAW statt JPG: Mehr Reserven für Highlights und Farbe
- Serienaufnahme, Bracketing und Stacking: Mehr Treffer, mehr Möglichkeiten
- Feuerwerk an Silvester mit dem Smartphone fotografieren
- Smartphone-Einstellungen (Pro/Manuell)
- Smartphone-Zubehör
- Häufige Fehler und schnelle Lösungen
- Was du sonst noch mitnehmen solltest (unterschätzt, aber wichtig)
- Beispielbilder aus der Praxis
- Glossar
- FAQ
TL;DR
- Stativ nutzen, Stabilisierung am Stativ meist deaktivieren, per Timer oder Fernauslöser auslösen
- Manuell fokussieren (vorab auf einen Punkt in der Ferne), Fokus danach nicht mehr anfassen
- Kamera: M- oder S-Modus, Startpunkt oft 2-8 s, ISO niedrig bis moderat, Blende je nach Intensität anpassen
- Smartphone: Pro/Manuell-Modus, lange Belichtung (falls möglich), ISO niedrig, RAW/DNG wenn verfügbar
- Standort vorher tagsüber scouten, Windrichtung beachten (Rauch), Vordergrund einplanen, Akku und Licht nicht vergessen
Feuerwerk an Silvester fotografieren: Warum die Vorbereitung wichtiger ist als die Kamera
Feuerwerk an Silvester zu fotografieren wirkt im ersten Moment simpel: Kamera hoch, Auslöser drücken, fertig. In der Praxis scheitern viele Bilder aber nicht an der Technik, sondern an Kleinigkeiten wie Fokus, Verwacklung, Rauch oder einem ungünstigen Standort. Genau hier kannst du mit wenig Aufwand sehr viel rausholen.
Das Grundprinzip ist fast immer gleich: Du arbeitest mit langen Belichtungszeiten, damit die Lichtspuren schön gezeichnet werden. Und lange Belichtungszeiten bedeuten: Stabilität, kontrollierte Einstellungen und ein Fokus, der nicht „wegpumpt“.
Egal ob du Feuerwerk an Silvester mit dem Smartphone fotografieren willst oder mit einer Kamera: Wenn du 15 Minuten vorher bereit bist, ein paar Testaufnahmen machst und dir den Standort bewusst aussuchst, bist du den meisten schon weit voraus.
Den besten Ort finden: Perspektive, Wind und Vordergrund
Achte bei der Standortwahl auf diese Punkte:
- Freie Sicht in Richtung Feuerwerk, ohne Laternen direkt im Bild, möglichst kein blendendes Gegenlicht.
- Windrichtung: Rauch ist der Feind. Wenn der Wind den Rauch zu dir drückt, wird der Himmel schnell milchig. Wenn möglich, positioniere dich so, dass der Wind den Rauch von dir wegträgt.
- Vordergrund: Häuser, ein Kirchturm, Baumreihen oder eine Hügelkante geben dem Foto Tiefe. Ein komplett schwarzer Vordergrund wirkt oft leer.
- Sicherheit: Nicht zu nah an Abschussplätzen, nicht auf Straßen, nicht auf Privatgelände. Klingt banal, spart aber Ärger und Risiko.
- Tagsüber erkundschaften: Schau dir deinen Spot bei Licht an. Dann weißt du, wo du stehen kannst, welche Brennweite passt und wie du vor Ort aufbaust.
Praktischer Tipp: Außerhalb einer Ortschaft bekommst du oft die besten Ergebnisse, wenn du die Ortslichter mit ins Bild nimmst. Dann erkennt man sofort, wo das Feuerwerk stattfindet, und der Himmel wirkt nicht wie eine schwarze Fläche.
Zubehör: Was wirklich sinnvoll ist
Du brauchst keinen riesigen Fotorucksack. Ein paar Dinge machen aber den Unterschied, gerade an Silvester.
| Zubehör | Warum es hilft | Alternative/Notfall |
|---|---|---|
| Stativ (auch Mini-Stativ fürs Handy) | Wackelfreie Langzeitbelichtungen | Kamera/Handy auf Mauer, Rucksack, Geländer ablegen |
| Fernauslöser oder 2-10 s Timer | Kein Verwackeln beim Auslösen | Serienbild, Selbstauslöser |
| Ersatzakku/Powerbank | Kälte leert Akkus schnell | Akku warm in der Jacke tragen |
| Taschenlampe/Stirnlampe | Aufbau im Dunkeln, Sicherheit | Handy-Licht |
| Mikrofasertuch | Feuchtigkeit, Sprühnebel, Fingerabdrücke | Sauberes Tuch, notfalls Shirt (vorsichtig) |
| Kleiner Regenschutz | Niesel, Nebel, Kondenswasser | Plastiktüte + Gummiband |
Kamera-Modi: Was ist M-Modus, was ist S-Modus?
Wenn du Feuerwerk fotografieren willst, brauchst du Kontrolle über die Belichtungszeit.
- M-Modus (Manuell): Du stellst Belichtungszeit, Blende und ISO selbst ein. Das ist die sicherste Option, weil die Kamera nicht ständig „mitdenkt“ und dir die Belichtung kaputtregelt.
- S-Modus (Shutter / Zeitvorwahl): Du stellst die Belichtungszeit ein, die Kamera wählt die Blende. Das ist praktisch, wenn du schnell reagieren willst, aber bei sehr hellem Feuerwerk kann es sein, dass die Blende an Grenzen stößt.
- Optional, falls vorhanden: Bulb. Damit belichtest du so lange, wie du auslöst. Das ist perfekt, wenn du nur bestimmte Explosionen „einsammeln“ willst.
ISO, Blende und Belichtungszeit kurz erklärt
Das sind die drei Stellschrauben, die du wirklich verstehen solltest:
- ISO: Macht das Bild heller, aber erhöht das Rauschen. Bei Feuerwerk lohnt es sich oft, ISO nicht zu hoch zu drehen.
- Blende (f/…): Kleine Zahl bedeutet mehr Licht, große Zahl weniger Licht. Eine zu offene Blende kann Feuerwerk schnell überstrahlen lassen.
- Belichtungszeit: Je länger, desto mehr Lichtspuren sammelst du. Aber: Zu lang kann zu Überbelichtung führen oder der Rauch wird zu dominant.
Gute Start-Einstellungen für Feuerwerk mit der Kamera
Nimm die Werte als Startpunkt und passe sie je nach Intensität an. Das Schöne an Silvester ist: Du kannst sofort kontrollieren und nachjustieren.
| Situation | Belichtungszeit | Blende | ISO | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Einzelne Raketen, wenig los | 2-4 s | f/5.6-f/8 | 100-1600 | Saubere Spuren, wenig Überstrahlung |
| Viel Feuerwerk, „Finale“ | 1-3 s | f/8-f/11 | 100-800 | Kürzer belichten, sonst wird es zu hell |
| Dunkle Effekte, wenig Umgebungslicht | 4-10 s | f/4-f/8 | 400-3200 | Rauch im Blick behalten |
Fokus: Warum manuell fast immer besser ist
Autofokus ist bei Feuerwerk oft unzuverlässig. Im Dunkeln sucht er gerne, findet nichts und stellt plötzlich auf „irgendwo“.
So gehst du sauber vor:
- Such dir ein helles Objekt in der Ferne (Ortslicht, Laterne, Gebäude).
- Stelle scharf und kontrolliere die Schärfe (Lupe oder Fokus-Peaking, wenn vorhanden).
- Wechsel auf manuellen Fokus, damit sich nichts mehr verstellt.
- Finger weg vom Fokusring, bis du fertig bist.
Wenn du außerhalb der Ortschaft fotografierst, funktioniert es gut, auf die Ortschaft zu fokussieren und vorher ein paar Testaufnahmen zu machen.
Warum du die Stabilisierung auf einem Stativ oft ausschalten solltest
Viele Kameras haben Bildstabilisierung im Body (IBIS) oder im Objektiv (OIS). Auf einem Stativ kann das je nach System zu Mikro-Bewegungen führen, weil die Stabilisierung versucht, Bewegungen zu kompensieren, die gar nicht da sind. Ergebnis: leichte Unschärfe trotz Stativ.
Faustregel: Bei Langzeitbelichtung auf Stativ lieber Stabilisiernug aus.
RAW statt JPG: Mehr Reserven für Highlights und Farbe
Feuerwerk hat harte Kontraste: sehr helle Explosionen, dunkler Himmel. RAW hilft dir, weil du:
- Highlights besser retten kannst,
- Weißabgleich sauber korrigierst,
- Rauschen besser reduzierst.
RAW+JPG ist ein guter Kompromiss, wenn du schnell Bilder teilen willst, aber die RAWs archivieren möchtest. Beachte nur: Der Buffer kann schneller voll sein, weil mehr Daten geschrieben werden.
Serienaufnahme, Bracketing und Stacking: Mehr Treffer, mehr Möglichkeiten
- Serienaufnahme: Du erwischst mehr „perfekte“ Momente.
- AEB/Belichtungsreihe: Kann helfen, wenn du noch unsicher bist, um mehrere Bilder mit unterschiedlichen belichtungseinstellungen aufzunehmen. Bei Feuerwerk ist das nicht immer nötig, aber als Lernhilfe praktisch.
- Stacking: Wenn du mehrere Bilder übereinanderlegst (Photoshop, Affinity Photo), kannst du mehr Feuerwerk in einem Foto sammeln. Das wirkt oft spektakulärer als ein einzelner Shot. Nebenbei kannst du bei richtigem Workflow auch Rauschen reduzieren.
Feuerwerk an Silvester mit dem Smartphone fotografieren
Smartphones können das, aber sie sind oft auf „Automatik-Optimierung“ getrimmt. Das klappt mal gut, mal gar nicht. Wenn dein Handy einen Pro- oder Manuell-Modus bietet, bist du deutlich besser dran.
Smartphone-Einstellungen (Pro/Manuell)
- ISO niedrig starten (z. B. 50-200, wenn verfügbar)
- Belichtungszeit: teste 1-4 Sekunden als Einstieg, bei wenig Feuerwerk auch länger
- Fokus: wenn möglich auf „fern“ oder „unendlich“
- HDR eher deaktivieren, wenn es Verzögerung oder unnatürliche Ergebnisse bringt
- RAW/DNG aktivieren, falls vorhanden
Wenn du keinen Pro-Modus hast:
- Nachtmodus kann funktionieren, aber er verrechnet mehrere Frames. Das kann Feuerwerk weicher machen oder Details „verschlucken“.
- Nutze unbedingt ein Stativ oder eine feste Auflage.
Smartphone-Zubehör
Ein Mini-Stativ mit Handy-Klemme und ein Bluetooth-Auslöser sind bei Feuerwerk fast schon die halbe Miete. Ohne Stabilität sind lange Belichtungen Glücksspiel.
Häufige Fehler und schnelle Lösungen
- Alles wird weiß: Belichtungszeit kürzer oder Blende schließen (bei Kamera). Beim Smartphone ISO runter, Belichtungszeit runter.
- Unscharf: Fokus sitzt nicht oder Verwacklung. Manuell fokussieren, Timer nutzen, Stativ nutzen.
- Rauch dominiert: Standort wechseln oder warten, bis der Wind den Rauch abzieht.
- Display täuscht: Helligkeit am Display ist kein Maßstab. Kontrolliere notfalls das Histogramm.
Was du sonst noch mitnehmen solltest (unterschätzt, aber wichtig)
- Warme Handschuhe, die Bedienung zulassen
- Ersatz-Speicherkarte
- Eine kleine Tüte für Müll (Böllerreste, Taschentücher, was auch immer)
- Geduld: Manche der besten Bilder entstehen nicht beim ersten Versuch
Beispielbilder aus der Praxis





Glossar
- AEB: Automatische Belichtungsreihe, mehrere Bilder mit unterschiedlicher Belichtung
- Blende (f/…): Lichtöffnung im Objektiv, kleine Zahl = viel Licht
- Bulb: Belichtung läuft so lange, wie du auslöst
- IBIS/OIS: Bildstabilisierung im Kameragehäuse oder Objektiv
- ISO: Lichtempfindlichkeit, höher = heller, aber mehr Rauschen
- RAW/DNG: Rohdatenformat mit maximaler Flexibilität
- S-Modus: Zeitvorwahl, du stellst die Belichtungszeit ein
- M-Modus: Manuell, du stellst Zeit, Blende und meist ISO selbst ein
FAQ
Welche Belichtungszeit ist ideal, um Feuerwerk an Silvester zu fotografieren?
Als Startpunkt funktionieren oft 2-4 Sekunden. Beim Finale eher 1-3 Sekunden. Wenn wenig passiert, kannst du auch 4-10 Sekunden testen.
Welches Objektiv ist am besten?
Weitwinkel ist stressfrei, weil du weniger verpasst. Ein Standardzoom funktioniert super, wenn du flexibel bleiben willst.
Warum sind meine Bilder trotz Stativ unscharf?
Oft wegen aktivierter Stabilisierung oder weil du beim Auslösen wackelst. Stabi testweise aus, Timer oder Fernauslöser nutzen.
Kann ich Feuerwerk mit dem Smartphone wirklich gut fotografieren?
Ja, wenn du stabil arbeitest und idealerweise einen Pro-Modus nutzt. Ohne Stativ wird es bei Langzeitbelichtung schnell zufällig.
Lohnt sich Nachbearbeitung?
Definitiv. Feuerwerk profitiert stark von sauberem Weißabgleich, Highlight-Korrektur und moderater Rauschreduzierung.



